Was sich im Schoßraum sammelt
Es gibt einen Satz, den mir Frauen oft sagen, wenn sie zum ersten Mal kommen. Sie sagen ihn nicht so, sie sagen ihn anders.
Aber er klingt etwa so: Ich bin nicht mehr ich.
Manchmal ist es nach einer Trennung. Manchmal mitten in einer Beziehung. Manchmal ohne erkennbaren Anlass.
Was ich gesehen habe: Im Schoßraum sammelt sich vieles. Manches gehört dort hin. Manches nicht.
Was nicht dorthin gehört
Eine Frau, die mit einem Mann lebt, trägt Anteile von ihm. Das ist keine Mystik, das ist Erfahrung. Sie kennt seine Stimmungen, bevor er etwas sagt. Sie spürt, wenn er erschöpft nach Hause kommt, auch wenn er behauptet, alles sei gut. Über die Jahre wandert das nicht nur durch den Kopf. Es legt sich in den Körper. Vor allem in den Bauch.
Wenn die Beziehung trägt, ist das wechselseitig. Beide nehmen, beide geben. Es bleibt im Fluss.
Wenn sie nicht mehr trägt — oder nie wirklich getragen hat — staut sich etwas. Bei der Frau meistens unten. Im Becken, im Schoßraum, manchmal als Schwere, manchmal als Druck, manchmal als etwas, das man nicht benennen kann und das trotzdem da ist.
Nach einer Trennung verschwindet das nicht von selbst. Man kann den Mann verlassen und ihn trotzdem noch in sich tragen. Manchmal Jahre.
Was Frauen darüber wissen, ohne es zu wissen
Was mir auffällt: Die meisten Frauen wissen das. Sie haben nur kein Wort dafür.
Sie sagen Sätze wie „ich werde ihn nicht los“ oder „ich denke ständig an ihn, obwohl ich nicht will“ oder „mir tut der Bauch weh, seit wir auseinander sind“. Manche werden krank — kleine Sachen erst, dann größere. Myome. Zysten. Wiederkehrende Infektionen.
Ich behaupte nicht, dass jede dieser Erkrankungen auf eine alte Beziehung zurückgeht. Aber ich behaupte, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem, was eine Frau in sich trägt, und dem, was ihr Körper macht. Das ist keine Esoterik. Das ist Beobachtung über viele Jahre.
Warum das in der Kinderwunschzeit wichtig wird
Warum das in der Kinderwunschzeit wichtig wird:
In der Zeit, in der ein Paar versucht zu empfangen, wird das spürbar. Manchmal das erste Mal überhaupt.
Wenn im Schoßraum noch viel sitzt, was nicht in dieses neue Kind hineinwill — Reste alter Beziehungen, alte Schmerzen, alter Druck — dann hat ein Kind es schwer, dort anzukommen. Das ist praktisch gemeint: Der Körper macht zu, wo er eigentlich offen sein müsste.
Eine Reinigung in dem Sinn, den ich meine, ist kein Ritual. Es ist eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Was trage ich noch, das nicht zu mir gehört. Welche Verbindung ist noch nicht zu Ende, obwohl die Beziehung es ist. Wem antworte ich innerlich noch, der mich gar nicht mehr fragt.
Was hilft
Was hilft – Zeit. Mehr als die meisten denken.
Ein Mensch, mit dem man darüber sprechen kann. Nicht jeder ist dafür geeignet. Eine Freundin oft nicht, weil sie zu nah ist. Eine Therapeutin manchmal, manchmal auch nicht. Wichtig ist, dass die Person nicht erschrickt vor dem, was kommt.
Bewegung im Becken. Wer den ganzen Tag sitzt, hat dort wenig Durchblutung. Spaziergänge, weite Schritte, alles, was den Boden des Beckens wieder lebendig macht.
Wasser. Bäder, lange. Flüsse. Meer, wenn erreichbar.
Und das, was wir früher Beichte genannt hätten, in einer säkularisierten Form: einmal alles aussprechen, was war. Vor jemandem, oder auch nur vor sich. Manche schreiben es auf und verbrennen das Papier. Das ist kein Hokuspokus. Das ist eine alte Technik, etwas zu beenden, was nicht von selbst aufhört.
Ein Hinweis an die Männer
Was eine Frau aus einer Beziehung trägt, trägt auch ein Mann. Anders gelagert, an anderen Stellen, aber auch.
Männer reden seltener darüber. Die meisten reden gar nicht. Aber sie tragen es trotzdem.
Was hilft, ist dasselbe: Bewegung, Wasser, irgendeine Form, das Alte abzulegen, bevor das Neue kommen soll. Sport allein reicht oft nicht. Es braucht etwas, das die Schicht darunter erreicht.
Eine letzte Bemerkung
Manche Frauen lesen so etwas und denken, sie müssten jetzt eine lange Liste alter Partner durchgehen und mit jedem etwas „abschließen“. Das ist nicht gemeint.
Gemeint ist: einmal hinschauen. Was ist wirklich noch da. Was nicht. Was zu mir gehört. Was nicht. Das zu unterscheiden, lernt sich nicht in einem Tag.
Kerstin Wilhelmina Tenn, Gründerin GM Synergy Blueprint. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.