Die drei Säulen der Fruchtbarkeit

Wenn ein Kinderwunsch lange nicht in Erfüllung geht, beginnt für die meisten Paare eine Zeit, in der alles auf eine Frage zuläuft: Was machen wir falsch. Was ich gesehen habe in den Jahren: Die Antwort liegt selten an einem Punkt. Sie liegt in einem Geflecht. Und meistens nicht da, wo das Paar zuerst hinschaut. Drei Bereiche sind es, an denen sich arbeiten lässt. Ich nenne sie Säulen, weil keine die andere ersetzt.

Was gegessen wird

Eine Empfängnis braucht Bausteine. Mineralien, Fettsäuren, Vitamine, ein Hormonsystem, das funktioniert. Was im Körper fehlt, fehlt. Für die Frau heißt das: dunkelgrünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Eier in guter Qualität, Avocado, Paranüsse, Kürbiskerne. Letztere wegen der Fettsäure.

Für den Mann: ähnliches, dazu Beeren, Vollkorn, dunkelgrünes Gemüse. Spermienqualität reagiert auf Nährstoffe. In beide Richtungen.uren, die der Hormonhaushalt braucht.

Was beide weglassen können: zu Scharfes, Hartkäse, Cola, unverdünnte Säfte. Nicht aus Strenge. Nur weil sie reizen, was sich beruhigen sollte.

Wichtiger als die Zutat: das Wie. Im Sitzen. Nicht im Gehen. Nicht unter Druck. Drei bis vier Mahlzeiten, regelmäßig, mit Ruhe. Was hektisch gegessen wird, wird auch hektisch verarbeitet.

Wie gelebt wird

Schlaf zuerst. Wer wenig schläft, hat weniger Testosteron. Beim Mann betrifft das die Spermien. Bei der Frau den Zyklus. Acht Stunden sind keine Empfehlung, sie sind Voraussetzung.

Atmung. Die meisten atmen flach, in den Brustkorb. Der Körper liest das als Stress und sendet sich das Signal selbst zurück. Bauchatmung, geübt, senkt Cortisol und löst, was im Becken sitzt.

Bewegung im Wald wirkt anders als Bewegung im Studio. Wer kann, geht jeden Tag eine Stunde. Wer wenig Zeit hat, geht zwanzig Minuten. Akupunktur, Yoga, Moorbäder, Fasten — all das gehört auch hierher. Es geht nicht darum, alles zu tun. Es geht darum, ein bis zwei Dinge wirklich zu tun.

Was darunter liegt

Das ist die Säule, die am wenigsten greifbar ist. Und die am meisten trägt.

Wenn ein Paar beschließt, ein Kind zu bekommen, ist das eine Verbindung von zwei Polen. Etwas Drittes soll daraus werden. In der östlichen Tradition heißen die Pole Yin und Yang. In unserer Sprache: empfangend und gebend.

Was mir Frauen oft erzählen: Sie funktionieren. Sie halten. Sie tragen Strukturen, beruflich und privat. Das ist nicht falsch. Aber es ist nicht der Zustand, in dem ein Körper sich öffnet.

Männer wiederum stehen in einem Doppeldruck — leistungsfähig sein und gleichzeitig emotional verfügbar. Das geht selten lange gut. Cortisol senkt die Spermienqualität. Das ist gemessen, nicht behauptet.

Was hilft, ist nicht mehr Anstrengung. Es ist weniger. Weniger Termin. Weniger Kalender. Mehr Berührung ohne Ziel. Mehr Körper.

Junge Paare, die spontan empfangen, machen meist instinktiv das Richtige: Sie sind unbekümmert. Diese Unbekümmertheit lässt sich nicht erzwingen. Manchmal kommt sie wieder, wenn man aufhört, sie zu suchen.

Zusammen

Eine Säule allein trägt kein Dach.

Wer nur am Essen arbeitet und dabei erschöpft bleibt, kommt nicht weit. Wer Yoga macht und sich von Fertigem ernährt, auch nicht. Und wer beides tut, aber innerlich zerrissen ist, verfehlt die Wirkung.

Die drei Säulen sind kein Plan, den man abarbeitet. Sie sind drei Blickrichtungen auf denselben Menschen — den Körper, das Leben, das, was darunter liegt.

Wer in allen dreien etwas verändert, auch nur Kleines, verändert den Boden. Und auf einem anderen Boden kommt ein Kind manchmal an.

 

Kerstin Wilhelmina Tenn, Gründerin GM Synergy Blueprint. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

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