Wenn der Schlaf nicht mehr kommt

Es gibt eine Stunde in der Nacht, die viele schwangere Frauen kennen. Es ist nicht die, in der man einschläft. Und nicht die, in der man morgens aufwacht. Es ist die dazwischen — drei Uhr, vier Uhr, fünf Uhr — in der man wach liegt und nicht wieder hineinfindet.

Manchmal ist es das Kind, das tritt. Manchmal ein voller Bauch, der drückt. Manchmal das Bedürfnis, zur Toilette zu gehen, ein zweites Mal, ein drittes Mal. Manchmal kein Grund, nur Wachsein.

Was hilft, ist nicht ein einziges Mittel. Was hilft, ist mehreres, und herauszufinden, was zu einer selbst passt.

Warum der Schlaf in der Schwangerschaft anders ist

Eine Schwangerschaft verändert den Schlaf von der ersten Woche an. Im ersten Drittel sind die meisten Frauen müder als sonst — der Körper arbeitet auf Hochtouren, auch wenn äußerlich noch nichts zu sehen ist.

Im zweiten Drittel beruhigt sich das oft. Viele Frauen schlafen in diesen Wochen besser als in jeder anderen Phase ihres Lebens.

Im dritten Drittel kommt der Schlaf zurück, der unruhig ist. Das Gewicht des Kindes drückt auf Organe, die Blase füllt sich häufiger, die Position im Bett wird zur Verhandlungssache. Dazu kommen oft Träume — sehr lebendig, sehr körperlich, manchmal beunruhigend.

Das ist kein Versagen. Das ist die Vorbereitung des Körpers auf etwas, das auch nicht acht Stunden am Stück schlafen wird.

Was am Abend hilft

Ein Schlaf, der gut ist, beginnt nicht im Bett. Er beginnt zwei, drei Stunden vorher.

Eine warme Dusche oder ein Bad. Wer ein Bad nimmt: ein Tropfen Lavendel fein, ein Tropfen Mandarine rot, vorher in einem Esslöffel Sahne oder Honig auflösen. Sonst schwimmt das Öl oben.

Kein Bildschirm in der letzten Stunde. Das blaue Licht hält wach, das ist gemessen, nicht behauptet.

Etwas Warmes trinken. Eine Tasse Melissentee. Eine kleine Tasse warme Milch mit Honig — wenn die Milch gut vertragen wird. Beides wirkt nicht wie eine Schlaftablette. Beides wirkt wie ein Signal.

Aromaöle für die Nacht

Lavendel fein ist das klassische Schlaföl. Ein Tropfen auf den Kopfkissenbezug oder das Nachthemd reicht oft schon.

Wer mehr braucht: eine Mischung in der Duftlampe oder einem Diffusor. Drei Tropfen Lavendel fein, zwei Tropfen Mandarine rot, ein Tropfen Sandelholz. Eine halbe Stunde laufen lassen, bevor man ins Bett geht. Dann ausschalten.

Was auch funktioniert: römische Kamille. Ein Tropfen aufs Kissen. Sie ist tröstender als die echte Kamille — sie wirkt mehr aufs Gemüt als auf den Körper.

Ylang Ylang gehört auch zu den Schlaföl-Klassikern, ist aber nicht jedermanns Sache. Manche finden den Duft schwer und süß. Wer vorsichtig herangeht: ein einziger Tropfen, kombiniert mit Lavendel.

Wenn der Schlaf trotzdem nicht kommt

Es gibt Nächte, in denen alles richtig gemacht wurde und der Schlaf trotzdem nicht kommt. Was dann hilft, ist nicht, sich noch mehr anzustrengen.

Aufstehen. In ein anderes Zimmer gehen. Etwas Langweiliges lesen. Kein Telefon. Kein Bildschirm. Eine Kerze geht. Eine kleine Lampe geht. Lesen, bis die Augen schwer werden, dann zurück ins Bett.

Was nicht hilft: stundenlang im Bett zu liegen und auf den Schlaf zu warten. Das macht das Bett zu einem Ort, an dem man wach liegt — und der Körper merkt sich das.

Was auch hilft: eine Stunde wachsein nicht als verlorene Stunde rechnen. In manchen Kulturen ist das normal — zwei Schlafphasen pro Nacht, mit einer wachen Stunde dazwischen. Vielleicht macht der Körper hier etwas, was lange als richtig galt, bevor wir das Acht-Stunden-Schlaf-Ideal erfunden haben.

Was im dritten Drittel zusätzlich gilt

Wenn der Bauch groß wird, wird die Position zum Thema. Auf dem Rücken ist nicht mehr gut — das Gewicht drückt auf eine wichtige Vene, der Kreislauf wird träge.

Was hilft, ist die linke Seitenlage. Ein Kissen unter den Bauch, ein Kissen zwischen die Knie, vielleicht ein drittes hinter dem Rücken. Wer ein Stillkissen schon hat: jetzt ist die Zeit, es zu benutzen.

Manche Frauen schlafen in den letzten Wochen besser auf einem Sessel als im Bett. Das ist erlaubt. Hauptsache, der Körper kommt zur Ruhe.

Eine Bemerkung zum Aufwachen

Wer mit einer Stunde Wachsein in der Nacht rechnet, schläft oft besser. Wer jede Nacht entsetzt ist, dass es schon wieder so war, verstärkt das Problem.

Was Frauen nach der Geburt oft sagen: Im Nachhinein war diese Phase eine Art Vorbereitung. Der Körper hat sich daran gewöhnt, in mehreren Phasen zu schlafen. Das hat geholfen, als das Kind da war.

Vielleicht ist auch das ein Sinn der unruhigen Nächte. Nicht Strafe — sondern Übung.

 

Kerstin Wilhelmina Tenn, Gründerin GM Synergy Blueprint. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

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